Corona und anderes

Corona. Wen beschäftigt das nicht gerade…

Wir haben den Einstieg ins Jahr und in den neuen Job gut gemeisters. Auch nachdem meine Mutter weg war, lief es ganz gut.

Dann kam Corona. Beruflich wie privat. Seit 17.03 haben unsere Kinder ihre KiTa nicht mehr von innen gesehen. Meine Frau und ich teilen uns 24/7 die Kinderbetreuung. Meine Eltern scheiden gemäß den Empfehlungen als Betreuung aus. Ü70 und vorerkrankt.

Uns beschäftigt nicht nur die Sorge um meine Eltern, sondern auch um unsere Tochter. Sie gehört zur Risikogruppe als chronisch Kranke und vor allem Patientin mit immunsuppressiver Therapie. Es kann sein, dass eine Infektion verheerende Folgen hätten, wir wissen es aber nicht. Es ist auch sehr schwer, wenn wir die Nachbarskinder (immer die 2 gleichen) auf der Straße treffen, dass Abstand gehalten wird. Irgendwann haben wir sie dann doch zusammen spielen lassen. Aktuell jedoch nicht mehr, weil wir in Erwägung ziehen das lange Wochenende nächste Woche nun doch meine Eltern zu besuchen.

Trotzdem weiß ich noch nicht wirklich wie ich dazu stehe, unsere Kinder wieder in die KiTa zu bringen, solange es keinen Impfstoff gibt und unsere Tochter wirksam geimpft wäre. Noch stellt sich die Frage nicht und ich rechne persönlich auch nicht damit, dass unsere Kinder die KiTa vor Ende der hiesigen Sommerferien im September noch mal von innen sehen dürften, aber es beschäftigt mich natürlich immer wieder. Was wir egal wie dann die Entscheidung ausfällt in jedem Fall diskutieren ist die Frage, ob meine Frau dauerhaft ihre Arbeitszeit reduziert und wir die KiTa Betreuung von 17 Uhr auf 15 Uhr verkürzen. Da wir den Eindruck haben, dass es unseren Kindern durchaus gut tut, mehr Zeit mit uns zu verbringen… Sie und wir sind jetzt natürlich auch noch mal ganz anders zusammengewachsen. Unsere Tochter sagt zwar, dass sie die KiTa vermisst, aber sie sagt auch, dass es schön ist, so viel Zeit mit den Mamas zu verbringen.

Die Kinder sind im Grunde nur noch mit uns zusammen. Vormittags mit meiner Frau (ich fange ca. 6:30 Uhr an im Homeoffice zu arbeiten), mittags wechseln wir dann. Ich übernehme die Kinder und meine Frau geht arbeiten. Einmal die Woche oder alle 14 Tage geht jede von uns einen Tag ins Büro. Ich bin seit Anfang April in Kurzarbeit mit 24 Stunden und meine Frau hat freiwillig Kurzarbeit genommen und auf 30 Stunden verkürzt. Sonst ist das hier auf Dauer nicht zu schaffen. Aber so läuft es jetzt eigentlich ganz gut.

Das Wetter ist ja definitiv auf unserer Seite und so sind wir viel mit den Kindern draußen. Sei es auf unserem Stückle oder hier im Ort mit dem Fahrrad/Bobby Car.

Der Kleine hat mit inzwischen 18 Monaten dann doch mal angefangen zu laufen und die Große ist ein richtig großes schlaues Mädchen geworden, das am liebsten den ganzen Tag nur noch Fahrrad fahren würde.

Corona hat übrigens nicht nur Nachteile. Wir genießen auch die viele Zeit mit den Kindern. Insbesondere meine Frau hat jetzt viel mehr Zeit mit den Kindern und die Bindung ist sehr gewachsen. Trotzdem würden wir uns mal ein paar Stunden ohne Kinder wünschen.

Viele Tage und Nächte waren in letzter Zeit sehr anstrengend, weil der Kleine gerade alle Eck- und Backenzähne gleichzeitig bekommt und sich das ziemlich zieht und er leidet.

Dafür haben wir es seit kurzem geschafft, dass die Kinder tatsächlich im selben Zimmer schlafen und da auch über Nacht bleiben und wir wieder beide gleichzeitig im Schlafzimmer schlafen können. Daran war lange nicht zu denken.

Die Nächte sind zwar meistens noch mehrfach unterbrochen (vor allem vom Kleinen) und enden in der Regel zwischen 5 und halb 6 in der früh, aber immerhin.

Und nun noch was aus der Kategorie: Leben ist das, was passiert, wenn Du andere Pläne machst.

Wir haben aufgrund der Annahme, dass das ganze noch eine Weile gehen wird und wir auch unseren Sommerurlaub nicht wie geplant verbringen können hin- und her überlegt und am Ende die Entscheidung getroffen, uns ein kleines Wohnmobil zuzulegen. Als wir gerade einig waren und die Eckdaten festgelegt hatten was wir suchen und mit welchem Budget hat sich am Montag der Kleingartenverein hier im Ort gemeldet, bei dem wir uns im letzten Sommer um einen Garten beworben haben. So haben wir direkt am Montag einen zu vergebenden Garten angeschaut, den wir gerne nehmen würden.

Jetzt warten wir auf die Rückmeldung. Das wäre so schön, wenn das klappt. Er liegt fußläufig zu unserer Wohnung, hat eine schöne Größe und ein Haus, das man erst mal so nutzen kann, auch wenn das Haus und die Terrasse ziemlich heruntergekommen sind und man da mittelfristig was größeres dran machen müsste (wir planen schon mal abzureißen und was neues hin zu stellen). Wir hoffen, das wird was. Dann können wir uns dieses Jahr noch etwas beim Instandsetzen und Anlegen des Gartens ausleben und dann ab nächstem Jahr an das Haus- und Terrassenthema gehen. Die Kosten für die Übernahme und das Wasser so wie die Pacht dort sind so lachhaft niedrig, dass wir die aus der Portokasse zahlen können und das Risiko, selbst wenn wir im Laufe des Jahre zu dem Schluss kommen, dass uns das nicht taugt quasi bei 0 liegt.

Wir versuchen, es uns so gut gehen zu lassen, wie es geht und uns keinen Stress zu machen. Wir sind uns bewusst, dass wir mit unseren Arbeitgebern in komfortablen Situationen sind und dankbar, dass wir uns weder finanzielle noch existenzielle Sorgen machen müssen.

Und das wichtigste ist, dass wir versuchen, unsere (gemeinsame) Zeit mit den Kindern zu genießen.

Bleibt gesund!

Jahresende

Noch ein paar Tage und dann ist das Jahr schon wieder zu Ende.

Es ist viel passiert in den letzten Monaten. Ich habe ab nächste Woche einen neuen Job. 30 Stunden/Woche. Das wird für uns eine Herausforderung. Ich hoffe, wir bekommen das hin. Den Januar über kommt erst mal meine Mutter und kümmert sich nachmittags darum, die Kinder aus der KiTa zu holen und zu bespaßen bis ich da bin. Einfach nur, damit ich nachmittags keinen Druck habe, nach Hause zu kommen. Das ist ein tolles und entlastendes Geschenk und ich denke, bis Ende Januar wird das dann sicherlich auch einfacher sein einzuschätzen und zu gehen.

Beim MRT unserer Tochter kam leider heraus, dass sie nun auch einen Erguss im Kiefergelenk hat. D.h. ein zusätzliches Medikament. Wir haben uns für eine Variante entschieden, die wir alle 4 Wochen spritzen müssen. Da unsere Tochter seit Ende Oktober zunehmend über Bauschmerzen klagt und wir nicht sicher sind, ob das ggf. Nebenwirkungen vom Trinken des ersten Medikamente sind, spritzen wir es teilweise wieder. Das hatte die erwarteten Folgen: sie schläft wieder schlechter und unruhig. Zwischenzeitlich hat sie gar nicht mehr in ihrem Bett geschlafen, sondern nur noch neben meiner Frau im „großen Bett“.

Wir haben unseren Urlaub im November wie geplant dafür genutzt, den Kleinen nachts abzustillen. Es hat einige Nächte gedauert, aber nach ca. 10 Tagen hat er angefangen durchzuschlafen. Zumindest bis ca. 5 Uhr (zwischenzeitlich auch mal bis 6.30 Uhr).

Nachdem wir in der Woche vor Weihnachten angefangen haben, die Große aus unserem Bett auszuquartieren (wir haben sie in ihrem Bett schlafengelegt und sie nachts wenn sie wach wurde in unserem Schlafzimmer ins Reisebett gelegt, das war ok für sie), haben wir Heilig Abend ihr Bett in das Zimmer vom Kleinen umgebaut und versuchen nun, die beiden in einem Zimmer schlafen zu lassen. Bisher sind die Erfahrungen durchwachsen 😉 . Aber ich habe auch nicht damit gerechnet, dass das von heute auf morgen perfekt funktioniert.

Unser Urlaub im November war nicht soooo toll. Die Ferienwohnung war super, das Schwimmbad im Haus auch, aber wir waren alle reihum krank mit Erkältungen und Magen-Darm. Mich hat es mit letzterem am heftigsten erwischt. Wir sind einen Tag früher zurückgefahren und ich habe die halbe Nacht in der Notaufnahme verbracht und die Woche danach meinen Hausarzt hier im Ort „endlich“ mal richtig kennengelernt. Das Ende vom Lied war eine Darmspiegelung am 23.12.. Gott sei Dank ohne weiteren Befund als eine noch immer sichtbare Entzündung im Darm.

Unsere beiden spielen immer mehr miteinander, der Kleine versucht gerade immer wieder sich frei hinzustellen. Ich bin gespannt, wann er endlich die ersten Schritte ganz alleine macht. Bislang läuft er immer noch nur an Möbeln und Wänden entlang. Ich glaube er ist da einfach vorsichtiger als unsere Tochter. Sie ist eher losgelaufen und dann eben oft hingefallen. Er übt gerade das Fallen nach vorne und hinten auf der Couch und im Bällebad und geht lieber auf die Knie und krabbelt als zu riskieren, dass er umfällt. Ich schätze ihn so ein, dass er wenn er dann läuft gleich relativ sicher sein wird und weniger hinfallen als unsere Tochter damals.

Die Große hat im letzten Jahr sprachlich einen wahnsinnigen Sprung gemacht. inzwischen quatscht sie oft ziemlich altklug daher und oft genug hört man sich selber reden 😉 . Das ist schön zu sehen und zu hören. Bis mir aufgefallen ist, dass sie im Sommer 4 wird und in zwei Jahren schon 6 und dann in die Schule kommt!!!!! Das kommt manchen jetzt vermutlich etwas übertrieben vor, aber die Zeit fliegt nur so dahin und so schnell wie gefühlt die letzten 4 Jahre rumgegangen sind, kommt sie morgen in die Schule.

Das ist einfach der Wahnsinn. Hätte mir das jemand vor 11 Jahren gesagt, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt.

Wir hoffen nun, dass das Jahr 2020 im Hinblick auf Krankheiten unserer Kinder wieder ruhiger wird, ebenso wie unsere Nächte und dass wir einen guten Start in den neuen Alltag hinbekommen und das mit dem neuen Job passt. Ich freue mich auf jeden Fall auf eine neue Aufgabe, auch wenn ich Bammel habe. Und ich freue mich, endlich wieder mein eigenes Geld zu verdienen und zwar in einer nennenswerten Höhe.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein friedliches Jahresende und einen guten Rutsch!

Geschwisterbande

Was ich im letzten Beitrag ganz vergessen habe zu erwähnen ist die Geschwisterbeziehung unserer beiden Kinder.

Zu Anfang war das ja sehr schwierig. Die Große war extrem verunsichert und hat viel geweint. Sie war nie aggressiv oder das, was man klassisch unter eifersüchtig verstehen würde.

Mir hat das die ersten Monate wirklich das Herz zerrissen und es war schwierig, das auszuhalten, zumal ich einige Zeit von so einer Art postpartalen Depression geplagt war und ohnehin Schwierigkeiten hatten, den Kleinen anzunehmen.

Besser wurde es, als wir Ende Januar in der Rheumaklinik waren. Da waren die beiden Tag und Nacht zusammen und das hat eine enorme Veränderung in ihrer Beziehung angestoßen.

Inzwischen ist sie eine sehr stolze große Schwester und die beiden spielen immer mehr miteinander. Die Große will den Kleinne oft auf den Schoß oder Arm nehmen und ihn drücken und küssen. Das passt ihm dann meistens nicht so, weil er nicht gerne von ihr festgehalten wird 😉 . Aber an sich ist das so süß und so schön zu sehen.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass sich das so entwickelt hat.

365 Tage zu viert

Wahnsinn, heute ist der erste Geburtstag von unserem Kleinen.

Wir feiern heute bei Kaffee und Kuchen mit den Großeltern und Paten.

Montag beginnt dann auch schon die Eingewöhnung in die Krippe. Diesmal darf ich das machen und ich freue mich sehr darauf!

Der KiTa Rucksack ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag fertig geworden, den habe ich wie bei der Großen auch selbst genäht.

bty

Die Große und meine Frau haben die Stoffe ausgesucht und meine Frau war zunächst enttäuscht, weil es in dem Geschäft nicht so viele bunte Kinderstoffe gab, aber ich finde die Kombination sehr gelungen und mir gefällt der Rucksack so sehr gut.

Die Große quatscht inzwischen wie ein Wasserfall und nachdem wir nach Rücksprache mit dem Rheumadoc von wöchentlich spritzen auf trinken für ihr Rheuma-Medikament umgestellt haben, sind unsere Nächte mit ihr auch endlich wieder besser geworden. Sie schläft sogar ab und zu durch!

Dafür waren die Nächte mit dem Kleinen stellenweise über Wochen/Monate sehr übel. Da bin ich dann in 12 Stunden 10mal aufgestanden und habe gestillt. So sehe ich inzwischen auch aus und befinde mich gute 8 Kilo unter dem Ausgangsgewicht der letzten Schwangerschaft. Immerhin kann ich das Gewicht jetzt gerade einigermaßen halten. Tagsüber isst er sehr gut und eigentlich alles vom Tisch mit, was geht. Das fing schon sehr früh an, obwohl er erst in seinem 10. Lebensmonat die ersten Zähne bekommen hat. Inzwischen hat er 5, 3 unten und 2 oben.

Gestern Abend waren meine Frau und ich das zweite Mal seit der Geburt gemeinsam auf einem Konzert. Die Oma (meine Mutter) hat dankenswerterweise die große Herausforderung auf sich genommen zwei Kinder ins Bett zu bringen und uns so den Abend ermöglicht.

Es war sooooo toll. Ein wunderschöner Abend und ich bin jetzt noch leicht heiser vom Mitsingen 🙂 .

Leider erwarten uns in den nächsten Wochen noch ein paar Herausforderungen, da der Rheumadoc uns zu einem MRT geraten hat, das bei unserer Tochter wieder nur unter Narkose gemacht werden kann. D.h. am kommenden Montag müssen wir zum Vorgespräch ins KH und dann zwei Wochen später zum MRT. Ich hoffe, das wird uns schlaftechnisch nicht Monate zurückwerfen und ich hoffe noch mehr, dass sein Verdacht, sie könnte eine rheumabedingte Entzündung im Kiefer haben sich nicht bestätigt.

Das würde dann nämlich vermutlich einen weiteren Klinikaufenthalt bedeuten und ein zusätzliches Dauermedikament, das man soweit ich bisher weiß wieder spritzen. Und in dem Fall gibt es dazu keine Alternative 😦 .

Ansonsten habe ich angefangen mich nach Jobalternativen umzusehen und am Dienstag ein Vorstellungsgespräch. Das wäre sehr toll, wenn das klappt und die Chemie und das Geld passen.

So jetzt werde ich mich mal wieder unseren Kindern und den weiteren Vorbereitungen für den Besuch widmen!

 

Schönen 1. Maifeiertag!

So, ich komme nun auch mal wieder dazu, etwas zu schreiben.

Die Stiefkindadotion für unseren Sohn ist durch, wir haben sogar unaufgefordert eine neue Geburtsurkunde zugesendet bekommen, in der vor dem Namen meiner Frau nicht“ Vater“ steht sondern „2. Elternteil“.

Während ich hier gerade sitze und schreibe robbt unser Sohn durchs Wohnzimmer und erkundet unsere Schränke und und Kisten. Seit gestern schiebt er sich rückwärts und kommt überall hin. Er versucht auch ständig den Bauch oder den Popo im Langarmstütz anzuheben. Ich bin gespannt, wie schnell er sich jetzt da weiter eintwickelt. Er dreht sich auch auf dem Bauch liegend um die eigene Achse.

Jetzt müssen wir höllisch aufpassen, was die Große so auf dem Boden liegen lässt, da ist auch immer wieder keinteiliges dabei. Wir versuchen schon es ihr zu erklären und bitten sie darauf zu achten, aber es ist sicherlich etwas viel verlangt davon auszugehen, dass sie das zu 100% versteht und macht.

Apropos die Große: im Februar war die Schnullerfee da und hat alle Schnullis von ihr mitgenommen. Ich hatte das mit Büchern und Gesprächen vorbereitet. Im ersten Moment war es natürlich trotzdem schlimm für sie und sie hat ein paar Tage gebraucht, um gut ohne Schnuller einschlafen zu können, aber das ging viel besser, als ich befürchtet hatte.

Leider schläft sie zur Zeit sehr schlecht. Ich vermute, sie träumt viel und schlecht. Möglicherweise vom Spritzen, da sie wohl nun schon zweimal bei so einem nächtlichen Aufwachen mit Weinanfall ein Aua am Oberschenkel benannte.

Wenn das nicht bald besser wird, müssen wir uns was einfallen lassen. So kann es nicht weitergehen. Denn unsere Tochter unterbricht die Nacht meiner (Vollzeit und mehr) arbeitenden Frau mehrfach und landet dann am Ende bei ihr im Ehebett.

Meine Frau und ich schlafen ja schon lange getrennt und das ist kein Dauerzustand mehr. Aber aktuell sehen wir keine andere Möglichkeit, wenn wir nicht jede doppelt so viele Unterbrechungen in unserem Nachtschlaf haben wollen (ich stille nachts den Kleinen).

Ich glaube wenn es nicht besser wird, müssen wir mit dem Rheuma-Doc reden und überlegen, ob sie das MTX nicht auch schlucken kann. Ich weiß, dass dabei nicht ganz klar ist, wie viel Wirkstoff ankommt und man das deswegen nicht so gerne macht, aber wenn es sie so belastet, dass sie nicht durchschlafen kann, ist das ja auch kein Zustand.

Ansonsten merkt man unserer Tochter am Tag nicht viel an. Natürlich ist das Thema „Pieks“ immer mal wieder da, es wäre ja auch komisch, wenn sie es nicht thematisieren würde, aber sie ist nach wie vor ein sehr fröhliches und offenes Kind. Sie liebt es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, weshalb wir vor Ostern einen ganzen Tag nur Bus und Bahn mit ihr gefahren sind. Sie kann inwzischen toll sprechen und sagt immer mal wieder Dinge, wo man sich fragt, wo sie das her hat. Aber man hört sich natürlich auch zunehmend selbst reden 😉 .

Gesundheitlich geht es ihr wieder deutlich besser unter MTX. Sie hüpft und springt wieder und bewegt sich so viel mehr. Es fällt uns jetzt erst richtig auf, wie wenig sie sich bewegt hat, bevor wir erneut das Rheuma festgestellt haben.

Auch wenn vor allem unsere Nächte sehr anstrengend sind, ist es so ein Segen, diese beiden Kinder zu haben!

Wir freuen uns jeden Tag und sind so glücklich, dass wir das erleben dürfen.

Im Alltag hat es sich inzwischen mit beiden Kindern auch recht gut eingespielt. Sowohl morgens für den Weg zur Kita als auch abends beim zu Bett gehen klappt es insgesamt immer besser und die beiden interagieren immer mehr. Ich freue mich jetzt schon sehr darauf, wenn der Kleine richtig krabbeln kann und seiner großen Schwester auf Schritt und Tritt folgen wird.

Ab Montag hat meine Frau einen Monat Elternzeit und ich gehe arbeiten. Wobei das nach den neuesten Veränderungen in meiner Firma bedeutet, dass ich im Home-Office sitzen werden. Das haben wir nun in den Hobbyraum im Keller gebaut. Ich hoffe, ich bekomme da keine Depressionen wegen mangelndem Tageslicht. Zunächst werde ich aber eh offiziell nur 50% arbeiten.Ich bin gespannt, wie das wird und wie das funtkioniert, zuletzt hatten wir ein Großraum-Büro und hatten uns das auch so ausgesucht, weil wir so eine kleine Firma sind es immer gut ist, wenn man viel vom anderen und dem, was er gerade auf dem Tisch hat, mitbekommt. Jetzt haben meine Kollegin und ich überlegt, dass wir es mal mit einer Skype-Videokonferenz im Dauerzustand versuchen, um die alte Atmosphäre annähernd herzustellen und im Gepräch zu bleiben.

Im August hat meine Frau dann noch mal Elternzeit und ich feiere  den ersten Teil meiner Überstunden hab, so dass wir insgesamt 4 Wochen am Stück mit den Kindern im Urlaub sein werden. 3 Wochen in einem Ferienhaus an der Nordsee mit meinen Eltern und anschließend noch eine Woche in einem Hotel in der Eifel. Ich freue mich schon sehr auf diese gemeinsame Familienzeit!

Ich werde jetzt mal schauen, ob die Große und die andere Mama endlich von ihrem Mittagsschlaf aufstehen… Der dauert nämlich schon bald 4 Stunden.

Ich wünsche allen noch einen schönen Feiertagsabend.

Gerichtstermin

Hui nun ist fast schon der Februar rum. Die Zeit rast!

Wir haben letzte Woche die Ladung zum Gerichtstermin wegen der Stiefkindadoption bekommen. Nachdem ich im Januar mit der Großen zwei Wochen in der Klinik war, fand Ende Januar der Hausbesuch des Jugendamtes statt. Wie erwartet unkompliziert. Unsere Tochter hat die gute Dame ziemlich gekonnt vom Fragen stellen bzw. davon abgehalten, dass sie sich aufs Gespräch konzentrieren oder was aufschreiben konnte 😉 .
Bei Gericht hat sich allerdings etwas geändert: der bei unserer Tochter noch zuständige Richter ist glaube ich in den Ruhestand gegangen und nun ist jemand anders zuständig.

Die Sachbearbeiterin vom Jugendamt sagte uns auch, dass wir damit rechnen müssen, dass es diesmal nicht ganz so unkompliziert werden könnte wie beim letzten Mal. Da wurden wir vom Richter nur gefragt, ob wir die echten Daten unseres Spenders (Namen und Anschrift) tatsächlich nicht kennen und ob wir eine soziale Familie seien. Das wars. Nachdem wir die erste Frage mit nein und die zweite mit ja beantwortet hatten, hat er der Adoption zugestimmt.

Heute war es also wieder soweit. Vom Jugendamt wussten wir, dass es bei einem anderen Frauenpaar vor kurzem vom Gericht die Forderung gab, dass der Spender dort erscheinen solle. Dass unser Spender das nicht tun würde, war klar. Wir hatten noch eine Notlösung mit ihm in der Hinterhand, die wir Sonntag Abend telefonisch besprochen hatten.

Also saßen wir heute da haben unser bestes gegeben, den Richter zu überzeugen, dass er auf die (persönliche) Stellungnahme des Spenders verzichten und der Adoption zustimmen kann. UND: er hat es nach ca. 25 Minuten getan 🙂 !

Er hat viel mehr Fragen gestellt, wir haben viel mehr geredet und erzählt, über unseren Kinderwunsch, was uns wichtig beim Spender war, was wir bei unserem Spender gefunden und warum wir uns für ihn entschieden haben. Wie unser „Verhältnis“ ist und was wir uns für die Zukunft (unserer Kinder) wünschen.

Ich denke, er hat verstanden, dass wir (wir Mamas und der Spender) den Kindern ihre Wurzeln nicht vorenthalten wollen und uns darauf verständigt haben, dass er für ein Kennenlernen zur Verfügung steht, wenn ein Kind nach ihm fragt. Somit auch, dass dem Spender klar ist, dass er mit mir Kinder hat (also hätte Ansprüche anmelden können). Ohnehin geht ja aus unserem gemeinsamen Vertrag hervor, dass er die Vaterschaft nicht anerkennen möchte und der Stiefkindadoption zustimmt.

Ich habe ihm dann auch klar gesagt, dass unser Spender zwar angeboten hat, zu einem Notar zu gehen, sich dort auszuweisen, zu bezeugen, dass er der Vater ist und vom Notar (anonym) ans Gericht melden zu lassen, dass er kein Interesse an der Verfahrenbeteiligung hat, dass das den Richter aber nicht weiterbringen wird, solange er keinen Vaterschaftstest anfordert. Schlussendlich könnte da ja jeder Mann da hingehen…

Genauso wie wir natürlich auch den Vertrag mit unserem Spender selbst unterschrieben haben könnten.

Irgendwas von dem, was wir gesagt und erzählt haben, hat ihn dann wohl am Ende überzeugt, seine Entscheidung ohne weitere Aussage von unserem Spender zu fällen und er kündigt uns an, dass er dem Adoptionsantrag zustimmen wird.

Wir sind sehr froh und glücklich 🙂 .

D.h. wir können hoffentlich bald eine neue Geburtsurkunde für den Kleinen beantragen. Diesmal werde ich aber höflich darum bitten, dass meine Frau nicht wieder als Vater eingetragen wird…

Frohe Weihnachten

Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet 🙂 .

Die Schmerzen, das Problem mit dem nicht laufen und keine Hosen anziehen können usw. hat sich irgendwann in der 7. Woche nach der Geburt von heute auf morgen erledigt und es ging wieder.

Psychisch hat es sich auch reguliert, das waren wohl doch „nur“ die Hormone und darüber bin ich extrem froh und erleichtert.

Das Stillen klappt soweit ganz gut, allerdings immer noch im Liegen am besten. Gott sei Dank habe ich bisher auch gar keine Probleme mit der Brust, das war bei der Großen ein Dauerthema.

Den Kids geht es gut, morgen taufen wir den Kleinen. Er ist insgesamt ein sehr zufriedenes Baby. Er schläft nachts richtig gut. Tagsüber ist es sehr unterschiedlich, mal schläft er an einem Tag mehrere Stunden am Stück, aber meistens immer nur kurz. Er lacht viel, sobald man ihn anspricht :-). In den letzten Wochen habe ich viel gearbeitet, da war er immer mit im Büro und hat das so insgesamt ganz gut mitgemacht.

Mit der Großen muss ich allerdings im Januar in die Rheumaklinik 😦 . Diesmal hat das Ibuprofen alleine nicht den erhofften Erfolgt und da das betroffene Bein jetzt schon länger ist als das aktuell gesunde, besteht relativ dringender Handlungsbedarf. Sie soll ja nicht dauerhaft komplett schief werden und noch mehr Gelenkprobleme bekommen. Außerdem müssen die Entzündungen aus den Gelenken raus.

D.h. im Januar wird unter einer kurzen Narkose Kortison in die beiden betroffenen Gelenke gespritzt und dann vermutlich auf MTX eingestellt. Mir geht es gar nicht gut bei dem Gedanken an die Klinik, da kommt einfach so vieles von dem ersten Krankenhausaufenthalt in der (gar nicht tollen) Klinik hier vor Ort vor zwei Jahren hoch. Danach waren wir später auch in der Rheumaklinik und da war es ganz anders (aber da war meine Frau mit stationär, weil das in ihrer Elternzeit lag).

Den Kleinen müssen wir natürlich mitnehmen, da ich ihn stille und meine Frau arbeiten muss. Aber meine Mutter kommt Gott sei Dank mit, wir haben ein Hotelzimmer nahe der Klinik gebucht, so dass ich mich vielleicht mal zwischenzeitlich zurückziehen, oder eine Nacht im Hotel statt in der Klinik schlafen kann. Ich hoffe darauf, dass wir auch diesmal ein Zimmer für uns haben werden, da ich ein so kleines Begleitkind mitbringe und die Schulkinder mehr oder weniger wieder weg sein werden, die die Klinik gewöhnlich in den Schulferien bevölkern. Letztes Mal waren wir mit unserer damals 8 Monate alten Tochter durch ihr Alter alleine in einem Zimmer, das war sehr angenehm.

Die Stiefkindadoption für den Kleinen haben wir am 3.12. mit dem Antrag beim Notar angestoßen (das war der erste Tag, an dem ich dem Antrag zustimmen konnte). Diesen Mittwoch habe ich eine Mail von der Dame vom Jugendamt bekommen, mit der sie den Fragebogen und die Unterlagen anfordert. Das hatten wir schon so weit in der Schublade, dass ich es gestern noch fertig gemacht habe und wir den Umschlag heute einwerfen konnten. Ich gehe davon aus, dass wir im Januar den Hausbesuch haben werden.

Aber jetzt ist erst mal Taufe und dann Weihnachten. Wir sind dafür heute zu meinen Eltern gefahren. Hier bleiben wir ca. eine Woche und dann geht’s weiter zu Freunden, wo wir Silvester feiern werden. Ich hoffe, ich bin danach nicht total hinüber, das ist eigentlich nicht so mein Ding. Ständig Leute um mich und kein Rückzugsraum.

Ich wünsche allen, die bis hierher gelesen haben frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Hormone, Geburtsfolgen und wieder Rheuma

Übermorgen ist die Geburt 3 Wochen her und ich fühle mich einigermaßen mieserabel.

Körperlich wünsche ich mir einfach nur noch irgendwann aus dem Alptraum aufzuwachen und dass es doch lieber ein Kaiserschnitt gewesen wäre. Die Naht, die ich diesmal von der Geburt davongetragen habe, macht mir im Gegensatz zur Kaiserschnittnarbe vor zwei Jahren extrem zu schaffen. Längere Fußwege, längeres Sitzen usw. sind einfach sehr schmerzhaft und machen sich auch in den folgenden Tagen noch bemerkbar. Das Entfernen diverser greifbarer Knoten der Nähte hat nur geringfügige Entlastung gebracht.

Psychisch ist es auch eine Achterbahnfahrt, ich hadere mit der Geburt und ihrem Ende, mit dem Schnitt, mit der Verletzung, die ich davongetragen habe. Ich hoffe, dass das vor allem noch die Hormone sind und es besser wird. So viel geheult wie in der letzten Woche habe seit Ewigkeiten nicht…

Ich kann einfach kaum was machen (laut Hebamme soll ich am besten gar nichts machen außer rumliegen und stillen) und ab nächste Woche bin ich mindestens morgens und beim Abholen aus der KiTa alleine mit den beiden Kindern und tagsüber alleine mit dem Kleinen. Ich habe keine Ahnung, wie das gehen soll. Zumal die Große zwar langsam besser mit der Situation klarkommt und teilweise auch schon mit dem Kleinen kuschelt und ihn küsst und draußen stolz präsentiert, aber sie ist auch oft genug noch traurig und enttäuscht oder wütend, wenn ich den Kleinen zum Beispiel anlege.

Apropos anlegen: das Stillen ist nach wie vor problematisch, am besten klappt es momentan im Liegen. Der Kleine dockt einfach nicht richtig an. Manchmal dauert es ewig, bis er richtig dran ist. Es ist nach Stillberatung und Osteopathie schon etwas besser geworden, aber ich habe eigentlich keine Nerven ihn irgendwo draußen zu stillen und womöglich noch Zuschauer dabei zu haben, wie ich 15 Minuten erfolglos und verzweifelt versuche einem grantigen, hungrigen Kind meine Brust „in den Hals zu schieben“.

Es ist so frustrierend und manchmal kann ich einfach nur noch darüber heulen und verzweifeln.

Dazu kommt, dass wir seit letzten Freitag wissen, dass unsere Große einen neuen Rheuma-Schub hat. Bisher sind ein Knie und ein Sprunggelenk betroffen.

Wir hoffen sehr, dass es nicht noch mehr wird und dass wir auch diesmal mit Ibuprofen auskommen. In 4-6 Wochen sollen wir wieder zum Rheuma-Doc und dann sehen wir weiter. Wir hatten so gehofft, dass das Rheuma nicht wiederkommt und es hat uns vollkommen unvorbereitet getroffen. Gott sei Dank haben wir eine tolle KiTa, die tun alles, was sie tun können und haben viel Verständnis. Trotzdem bricht es uns das Herz die dicken Gelenke zu sehen und die Gewissheit zu haben, dass unsere Hoffnung, dass es bei dem einen Rheumaschub bleiben könnte , vergeblich war. Natürlich haben wir große Sorgen, was das für das weitere Leben der Großen bedeuten wird, insbesondere, da sie ja ein Kind ist, das so viel Freude an Bewegung hat und ständig nur unterwegs ist.

Es kann also eigentlich an diversen Fronten nur besser besser werden…

Geburtsbericht

So, eine Woche danach versuche ich mal noch in etwas zusammen zu bekommen, wie die Geburt verlaufen ist. Wobei ich sagen muss, dass meine Erinnerungen was die Uhrzeiten usw. betrifft ziemlich ungenau sind.

Also im Laufe des Mittwochs hatte ich zum Abend hin zunehmende Wehen, allerdings bin ich lange davon ausgegangen, dass es sich um harmlose Übungswehen handelt, wie in den Wochen davor auch. Wir sind dann irgendwann gegen 23 Uhr schätze ich in unsere Betten gekrochen. Ich konnte dann allerdings wegen der Wehen tatsächlich nicht schlafen und habe laut Wehen-App 😉  um 0:29 Uhr angefangen, sie mit zu stoppen. Sie kamen da schon regelmäßig in Abständen zwischen 2 und 4 Minuten und dauerten jeweils ca. 1 Minute.

Als das ganze nach einer Stunde nicht nachgelassen hatte, habe ich meine Frau geweckt. Ich bin dann vor dem Fernseher im Wohnzimmer auf und ab gelaufen und habe angefangen die Wehen zu veratmen. Außerdem haben wir im Kreißsaal angerufen und meine Eltern, die von ihrem Domizil hier in der Nähe ca. 40 Minuten brauchen, um zu uns zu kommen. Wir brauchten ja schließlich einen Babysitter für unsere Tochter. Meine Frau ging duschen und ich packte die restlichen Sachen für die Kliniktasche zusammen.

Um 2:34 Uhr endet meine Aufzeichnung mit der App, also sind wir wohl da erst in die Klinik gefahren. Der Weg ist nicht weit, also werden wir vor 3 Uhr dagewesen sein.

Dort dann das übliche Prozedere: CTG schreiben, Muttermundkontrolle (fingerdurchlässig, aber noch ca. 2,5 cm lang), die Frage nach dem Zugang. Da hat meine Frau Gott sei Dank schneller geschaltet als ich und gesagt, dass es keinen Sinn macht, den jetzt zu legen, da es erstens bei mir schwierig ist zu stechen und zweitens die Zugänge gerne mal schnell wieder zugehen, also im Zweifelsfall ein provisorisch gelegter Zugang wenn er gebraucht wird eh nicht mehr geht, dankenswerterweise ließ sich die Ärztin darauf ein und ich bekam erst mal keinen Zugang.

Wir sollten erst mal 2 Stunden laufen gehen, also tigerte ich durchs Foyer und EG der Klinik, während meine Frau versuchte, dort auf einer Bank liegend noch etwas Schlaf zu bekommen.

Als wir wieder im Kreißsaal waren, wurde dann noch diskutiert, ob wir noch mal nach Hause gehen. Das war schon in der Frühschicht, also irgendwann nach 8 Uhr, weil der Muttermundsbefund noch so unreif war. Die Wehen kamen allerdings immernoch in Abständen unter 5 Minuten. Abgesehen davon, dass ich in dem Zustand nicht mit meinen Eltern und unserer Tochter (die meine Eltern nicht in die KiTa gebracht, sondern zu Hause behalten hatten) in einer Wohnung sein wollte, wollte ich nicht noch mal ins Auto steigen (im Sitzen waren die Wehen echt unangenehm) und fragte mich, wann denn dann der richtige Zeitpunkt wäre zurück in die Klinik zu fahren.

Zu unserem Glück hatte eine Hebamme Frühschicht, die zu unserem Bekanntenkreis gehört und damals auch die Nachsorge bei der Großen gemacht hat. Sie sorgte dafür, dass wir bleiben konnten und ins Wehenzimmer durften. Da verbrachte ich den Rest des Vormittags, Mittags und frühen Nachmittags mit Herumtigern (sitzen und liegen ging während der Wehen gar nicht und aufgrund der kurzen Abstände habe ich mich maximal kurz hingesetzt. Das kleine Frühstück fand nach gefühlten 2 Stunden sein Ende in der Kloschüssel, da ich mich vor Schmerzen übergeben musste. So ging es dann auch den ganzen Nachmittag und Abend weiter, bis ich wirklich nichts mehr in mir hatte, was rauskommen konnte, da würgte ich dann nur noch.

Ich habe mich den Tag dann also nur noch von Fencheltee und Infusionen ernährt. Am Nachmittag lag der Befund bei ca. 3 cm, was mich in Anbetracht der Wehen und der Spuckorgien enttäuschte. Ich ging in die Wanne (ich schätze so gege 15 Uhr), nachdem ich mir hatte krampflösende Zäpchen geben lassen.

Die machten die Wehen vom Bauch her etwas leichter, aber sie wurden insgesamt heftiger Richtung Steiß. Also folgten noch eine Infusion Paracetamol und dann Buscopan, was nicht nennenswert mehr brachte. Aber in der Wanne fühlte ich mich an sich wohl und das warme Wasser tat gut. Da blieb ich bestimmt auch 2 Stunden, bis ich Meptid (oder so ähnlich) als Medikament bekam und es hieß, da sollte ich dann besser raus aus der Wanne. Ab da turnte ich in allen Richtungen (Vierfüßler, Gebärhocker, im Hocken, im Knien) und der Griff auf der Badewanne war super, um sich für die diversen Verrenkungen fest zu halten.

Zwischendurch haben wir gedacht, dass möglicherweise die Fruchtblase geplatzt wäre und ich hatte sogar mal das Gefühl, mitschieben zu wollen/müssen. Da war dann der nächste Befund spät abends (sicher nach 22 Uhr) von 6cm wieder deutlich weniger, als was wir und ich glaube auch die Hebammen angenommen hatten. Ich war so hundemüde, dass ich in den kurzen Wehenpausen einschlief und immer wieder vom Wehenschmerz geweckt wurde. Ich habe wirklich schon geschielt und doppelt gesehen vor lauter Müdigkeit.

Zur eigentlichen Nachtschicht übergab uns die vorher für uns zuständige Hebamme an eine Hebamme, die auch bei unserer großen Tochter schon eine Schicht mit uns hatte und die am Krankenhaus den Stilltreff leitet, in den ich nach der Geburt der Großen über 6 Monate gegangen war. Bei der ersten Geburt konnten wir mit der Frau gar nichts anfangen. Sie wirkte auf uns so reserviert und auf Abstand. Inzwischen duzen wir uns ja und sie kam schon ganz anders rein, da war sofort eine große Nähe und ein großes Vertrauen, das auch meine Frau empfunden hat. Sie meinte, wir hätten ja quasi nur mit unseren Blicken ohne Worte kommuniziert.

Jedenfalls kam dann der Vorschlag eine PDA zu legen, so dass der Muttermund vollständig aufgehen kann während wir uns etwas erholen/schlafen können. Nachdem geklärt war, dass das kein Hindernis für eine ambulante Geburt darstellt, haben wir zugestimmt, weil wir wirklich am Ende unserer Kräfte und sehr müde waren.

Der Anästhesist kam sehr schnell. Er war ganz nett uns sympathisch und immerhin der Oberarzt der Anästhesie, aber meine Anatomie im Rücken machte es ihm nicht gerade leicht. Er brauchte 3 Anläufe, bis die PDA lag (*autsch*), so dass ich im Sitzen 3 Wehen mitnehmen musste, was sehr unangenehm war. Dabei habe ich mich ziemlich verkrampft in den Schultern/im Nacken. Aus der Walking PDA ist auch nicht so wirklich was geworden, meine Beine waren ziemlich taub und wirklich koordinierte Bewegungen waren damit nicht mehr drin, das war aber in Anbetracht des weiteren Geburtsverlaufs ohnehin unwichtig.

Irgendwann nach Mitternacht ging das erste Mal das Licht im Kreißsaal aus. Da zitterte ich schon die ganze Zeit wie Espenlaub und hatte zeitweise einen sehr schnellen Puls. Ich war einfach ziemlich durch und erschöpft.

Leider wurde aus der Ruhephase/dem Schlafen nichts, da die Hebamme kurz darauf schon wieder reinkam. So ging das dann weiter, weil entweder das CTG meine oder keine Herztöne vom Kind aufzeichnete, oder die Herztöne schlechter wurden. Die Hebamme verschob den CTG-Knopf, wendete mich von einer auf die andere Seite und rief mehrfach die diensthabende Ärztin dazu. Übrigend eine sehr spezielle Person (aber dazu an anderer Stelle mehr).

Die Ärztin schlug irgendwann vor, die Fruchtblase zu öffnen, was die Hebamme tat und mutmaßte, dass das Fruchtwasser grün sei. Diese Aktion brachte kurzzeitig eine Verbesserung der Herztöne, danach ging  es aber wieder so weiter wie vorher. Der Muttermund war inzwischen aber so gut wie vollständig und der kleine Rest sehr weich.  Auch ein wehenhemmendes Mittel brachte in Bezug auf die Herztöne keinen Erfolg.

Irgendwann hieß es, er muss jetzt kommen, sie versuchten noch die PDA etwas runter zu schrauben, das war aber zu spät. Gleichzeitig hängten sie einen Wehentropf ran, da meine eigenen Wehen inzwischen durch den Wehenhemmer abgeschwächt waren. Bis zur Geburt unseres Sohnes hatte aber weder die PDA nenneneswert nachgelassen, noch der Wehentropf seine Wirkung gezeigt. Lediglich ganz oben am Bauch bekam ich irgendwann wieder eine Ahnung davon, ob ich gerade eine Wehe hatte oder nicht. Zwischenzeitlich wurde noch versucht, am Kindskopf Blut abzunehmen, um zu schauen wie es dem Kleinen geht, aber das misslang (also nicht die Blutentnahme, sondern die Auswertung der beiden Blutproben).

Dann hieß es dann nur noch pressen so gut es geht, nach unten drücken, 3 mal pro Wehe. Das tat ich. Nach ca. 40-50 Minuten war er mit Unterstützung durch einen Dammschnitt und die Saugglocke da.

Er war komplett grün-braun, so sehr hatte er sich schon ins Fruchtwasser entleert. Ich bekam also ein total verschlammtes glitschiges Kind auf die Brust gelegt. Die Hebamme bemühte sich das Gröbste abzuputzen. Allerdings entleerte er sich dann gleich nochmal über mich…

Es war trotz allem aber toll und besonders, diesen unmittelbaren Moment zu haben, den hatten wir ja bei der ersten Geburt (Kaiserschnitt) nicht, auch wenn unsere Tochter im OP sehr schnell auf meine Brust gelegt wurde.

So, nun zur Ärztin. Sie war schon ziemlich locker und hat uns von Anfang an geduzt, was mich nicht störte, ich fands im Gegenteil recht angenehm. Irgendwann nachmittags hatte sie schon mal ziemlich neugierig Fragen zu unserer (Familien-)Situation gestellt, was ich aber noch ok fand.

Als wir da so zu Gange waren den Kleinen auf die Welt zu holen, da forderte sie mehrfach meine Frau, die ihr vorher gesagt hatte, sie könne kein Blut sehen auf, mir zwischen die Beine zu gucken, weil da ja ihr Kind käme. Das führte dazu, dass meiner Frau schlecht wurde und sie sich aufs Bett legen musste. Darauf hin meinte die Ärztin zu ihr, dass wenn sie ein Mann wäre, sie sie jetzt „Memme“ nennen würde.

Unmittelbar nachdem der Kleine da war und auf mir lag und sie anfing zu nähen, fing sie auch an uns in diesem eigentlich schönen und intimen Moment mit Fragen zu löchern (wie lange wir uns kennen, seit wann wir „verheiratet“ sind, wie viele Versuche es gab schwanger zu werden, wie wir es gemacht haben, und irgendwann dann am Ende die Frage, wer denn sexuell gesehen bei uns welchen Part (Mann/Frau) in der Beziehung einnähme – Hä?).

Ich fand es in dem Moment mittelmäßig nervig, teils amüsant und dachte, sie will halt vom Nähen ablenken. Meine Frau hat es schon in dem Moment extrem gestört. Im Grunde hat sie Recht. Erstens waren einige der Fragen sehr intim und unangebracht und zweitens war der Moment alles andere als der passende dafür. Aber wie dem auch sei.

Wir blieben noch ein paar Stunden im Kreißsaal und kamen anschließend auf die Wochenstation, wo wir frühstücken konnten und auf die Entlassung warteten. So gegen 12 war es dann so weit und wir konnten zu dritt das Krankenhaus verlassen.

Mister X ist da :-)

Seit gestern früh 4.04 Uhr sind wir nun komplett und zu viert :-). Gegen 12.30 Uhr waren wir wieder zu Hause.

Die Geburt war lang und anstrengend (Wehen hatte ich durchgehend seit dem späten Mittwoch Abend), ab 2.30 Uhr Donnerstag früh oder so waren wir im KH, d.h. wir haben zwei Nächte und einen Tag nicht geschlafen. Am Ende wurden die Herztöne schlechter, so dass es schnell gehen musste. Daher konnten wir die am Donnerstag Abend spät gelegte PDA, die ich wegen etwas schleppender Muttermundsöffnung und extremer Müdigkeit trotz anhaltend starker und regelmäßiger Wehen hatte nicht zur Erholung und zum Schlafen nutzen, um dann ohne/mit deutlich weniger PDA-Einfluss die Geburt zu Ende zu bringen. Stattdessen habe ich ohne wirklich zu fühlen ob ich gerade eine Wehe habe oder nicht und wo ich eigentlich hinpresse den jungen Mann mit viel Krafteinsatz und Unterstützung der Saugglocke rausgeschoben. Er war ein Sternengucker, was dann im Nachhinein so einiges am Geburtsverlauf erklärte und lag wie seine Schwester schon in einer ziemlich grün-braunen Fruchtwasserbrühe.

Am Ende war alles gut, aber schon nachweislich Zeit, dass er rauskam.

Um einen Dammschnitt und Schürfwunden bin ich nicht drum herum gekommen. Daher laufe ich gerade etwas langsamer und sitzen ist nicht mein Hobby. Aber das wird schon.

Hier noch ein paar Eckdaten:

3360 Gramm

52 cm

KU 35,5cm